Expedition Moderne (AT)

Seit vielen hundert Jahren feiern wir in Europa die bildende Kunst als eines der wichtigsten Kulturgüter unserer Gesellschaft. Die als historisch relevant geltende Kunst umfasst weitestgehend die Kunst, die in Europa produziert wurde oder aus Kontinenten stammt, die uns kulturell nahe und vertraut waren, wie den USA. Dieser Kanon manifestiert sich in allen Sammlungen der großen europäischen Museen.

Kunstentwicklung und Kunstgeschichte sind zeitgebunden, jeweils Teil einer Gegenwartskultur. Doch heute, in einer offenen, globalisierten Gesellschaft stellen sich die Fragen nach der Relevanz bestimmter Künstler oder Kunstrichtungen grundlegend anders als in den vergangenen Jahrzehnten und wir müssen feststellen: wir hatten einen sehr eindimensionalen Blick, westlich orientiert. Museumsdirektoren, Kuratoren und Kunsthistoriker fangen an umzudenken. Ein massiver Prozess ist angeschoben worden, unseren Blick zu hinterfragen, den blinden Fleck, den andere Kulturerzeugnisse hinterlassen haben zu besetzen und Kunst aus Afrika, dem Nahen Osten, Südamerika oder Asien im Hinblick auf den Kanon zu überprüfen.

Doris Krystof, Kuratorin aus Düsseldorf verweist vor allem auf die „fremden Modernen“. „Wir haben davon wenig mitbekommen. Unser eurozentristischer Blick war schon immer sehr selbstbewusst und stark.“
Stéphane Martin, Präsident des Museé de Quai Branly in Paris hat einen klaren Blick auf das, was zu tun ist: „Es wird Zeit, dass wir anerkennen, dass vor allem die Künstler der Moderne auf ganz andere, fremde Kulturgüter zurückgegriffen haben. Ohne diesen Einfluss beispielweise aus Afrika, wären viele Bilder in Europa so nie entstanden. Durch Expeditionen nach Afrika und Reisen in die Kolonien hat ein weit größerer Kulturtransfer stattgefunden, als wir es bisher wahrnehmen wollten.“

Der Film ist eine Entdeckungsreise in eine ganz andere Betrachtung der modernen Kunstgeschichte. Die Biografien aus Indien, Afrika und Ägypten zeigen, welche Menschen schon damals genau von den gleichen Gedanken begeistert waren, wie die Brücke Bewegung oder der europäische Surrealismus. Die Biografien leben durch alte Fotos, Bewegtmaterial und deren Kunst. So kann der Zuschauer hautnah miterleben, was an anderen Orten dieser Welt zeitgleich stattgefunden hat.

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