Young Carers - Wenn Kinder ihre Eltern pflegen

Michelle Baron ist 19 Jahre alt, lebt in Mainz und pflegt ihre Mutter Martina, die vor zehn Jahren an Lungenkrebs erkrankte. Die Mutter machte gerade eine Umschulung zur Krankenpflegerin, als der Krebs diagnostiziert wird. Martina Baron konnte seit dem nie wieder arbeiten und ihre Tochter Michelle musste viele Arbeiten übernehmen, die normalerweise Elternsache sind. „Ich koche, wasche, mache den Haushalt, helfe ihr beim An– und Ausziehen. Und wenn sie badet oder duscht möchte sie, dass ich dabei bin. Ich muss nichts machen aber einfach meine Anwesenheit beruhigt sie. Meine Mama hat oft Luftausfälle, da will ich sie nicht alleine lassen. Sie braucht meine Unterstützung.“

Die Betreuung alter und kranker Menschen ist eines der meist diskutierten Themen unserer Zeit. Meist wird die Situation von Betroffenen und Pflegekräften in allen Einzelheiten beleuchtet. Doch noch kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen sind die Belastungen, denen Kinder und Jugendliche täglich ausgesetzt sind, wenn sie in die Pflege ihrer Eltern oder Familienmitglieder mit eingebunden sind. Allein in Deutschland betrifft das etwa eine Viertelmillion Jugendliche. Viele von ihnen pflegen einen erkrankten Elternteil. Pflegende Kinder und Jugendliche müssen schnell erwachsen werden.
Doch nicht alle Kinder und Jugendliche sehen sich als Pflegekraft, viele von ihnen suchen und bekommen daher keine Unterstützung und sind oft mit ihrem Alltag überfordert. Die Zeit für Schule, Hobbys und Freunde bleibt oft auf der Strecke. Auch der Einstieg in das Berufsleben fällt den jungen Pflegenden oft viel schwerer als ihren Freunden. Ein Umzug für den erträumten Studienplatz oder der Ortswechsel für eine Ausbildung wird dann zum emotionalen Balanceakt. Ständig begleitet von der Sorge um die Eltern. Die Jugendlichen haben gelernt, sich selbst zurück zu stellen. Das wird für ihre Zukunft oft zum Verhängnis.

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