Bei Anruf Betrug

Die fiese Masche mit dem Enkeltrick

Es ist Montag früh 11 Uhr, als bei Ilse B. das Telefon klingelt. Die aufgewühlte Stimme eines jungen Mannes dringt durch die Leitung. "Oma, ich brauche ganz ganz dringend deine Hilfe. Es ist etwas ganz Schlimmes passiert. Ich bin überfallen worden und brauche jetzt sofort Bargeld, damit ich die erste Rate von meinem Auto bezahlen kann, sonst nehmen sie es mir wieder weg". Ilse B., 87 Jahre, glaubt ihrem angeblichen Enkel, geht zur Bank und hebt eine große Summe ab. Eine Stunde später klingelt die "Freundin" des Enkels an der Tür und nimmt das Geld entgegen.

So funktioniert sie - die Masche der Enkeltrickbetrüger, die immer größere Kreise zieht. Die Täter orientieren sich gezielt in Telefonbüchern an Namen der Generationen über 75 und rufen zumeist aus Polen 500- 1000 ältere Menschen in Deutschland täglich an. Irgendwann schnappt die Falle zu. Legen die Angerufenen nicht gleich auf, geben sie sich als ihre Verwandten aus, die ganz dringend Bargeld brauchen, weil sie in finanzieller Not stecken. Die raffinierten Tricks der Anrufer kennen keine Grenzen. Die älteren Leute sind oft einsam und fallen darauf herein. "Die Lage wird immer als extrem dringlich dargestellt und sobald sich die Rentner bereit erklären das Geld zu geben, wird der so genannte "Abholer" vor Ort losgeschickt, der das Geld einsammelt", erklärt Andreas Gerdon. Er ist der Leiter der Karlsruher Ermittlungstruppe "Cashdown", die im Dezernat für Organisierte Kriminalität angesiedelt ist und ausschließlich im Bereich des Enkeltrickbetrugs ermittelt.

Der exklusive Zugang zur Cashdown-Gruppe bietet uns die einmalige Chance, die ganz speziellen Ermittlungsvorgänge zu begleiten. "In erster Linie bearbeiten wir die Fälle im Karlsruher Raum, doch wenn es Überschneidungen und Gemeinsamkeiten zu anderen Fällen deutschlandweit gibt, dann holen wir den Fall zu uns." Die sieben-köpfige Einheit hat innerhalb eines Jahres bundesweit rund 300 Fälle mit einem Gesamtschaden von 1,6 Millionen Euro geklärt und 23 Tatverdächtige festgenommen. "Wir nehmen das ganze System, das dahinter steht, unter die Lupe, nicht nur den Einzelfall, den unsere Kollegen aufgenommen haben. Wir sammeln alle Informationen, die wir Deutschlandweit zusammentragen können. Die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen ist dabei immens wichtig." So reisen die Männer von Cash Down mit uns auch nach Polen, um die Drahtzieher auf frischer Tat zu stellen und zu verhaften.

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