Kleider und Kulturen: Der Sari

Eintritt frei
ARTE-Filmabend "Von Kopf bis Fuss"
Weltkulturen Museum, Schaumainkai 29-37, 60594 Frankfurt

Bharati Giri zieht das rote Stück Stoff durch das saubere Flusswasser. Die 24-jährige Stewardess muss dabei enorme Kraft aufwenden, denn der Stoff ist 6 Meter lang und 1m10 breit. Für die schmale Inderin keine allzu leichte Aufgabe. Heute ist Waschtag in Dharavi, einem Vorort Bombays. Bharati wäscht für die ganze Familie: dabei insgesamt sieben Saris; für Mutter, Großmutter, die Schwestern und sich. Seife oder Waschlauge verwendet sie dabei nicht. „Es sind sehr feine Saris aus Seide“, erklärt Bharati. „Da darf man nicht mit zuviel Chemie ran. Außerdem trägt man sie nie nackt am Körper, sondern über eine Art Unterrock, so dass sie nur ganz selten gewaschen werden müssen.“ Mehrmals zieht sie die Saris durch das Wasser und reibt den Stoff vorsichtig zwischen den Händen. 15 Minuten lang pro Sari. „Ich habe das Glück, einen echten Seidensari zu besitzen. Er war teuer und deshalb muss er besonders gepflegt werden. Der Sari bedeutet für uns Inder eine Art nationale Identifikation.“

Auch wenn viele Inder arm, andere reich sind und das indische Kastensystem vorgibt, was für einen Sari die Frau zu tragen hat und wie– der Sari ist Indiens Nationaltracht und verbindet das Volk: ein sinnliches Gewand, das die indischen Frauen noch schöner macht. Fast alle von ihnen tragen den Sari, selbst in den Metropolen findet man eher selten westlich gekleidete Frauen. Der Sari ist aus Seide oder Baumwolle, Chiffon, Viskose oder Organza, zwischen fünf und neun Meter lang. Er ist gefärbt oder gebatikt, bemalt, bedruckt oder gestickt, mit Pailletten oder kleinen Perlen verziert. Jede indische Region zeichnet sich durch für sie typische Farben, Muster, Motive und Gewebearten oder Mal- und Drucktechniken aus. In dem Film möchten wir die Kontraste deutlich machen zwischen den Saris, die sich die Armen leisten können und Seiden-Saris, in dem die Reichen heiraten. Insofern ist der Sari ein wunderschönes Gewand, das die Frauen schön macht, aber es verkörpert auch ein Klassen-System, das zwischen Tradition und Moderne steht.


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