37°: Manuels Abschied

Der Spiegel

25.07.2005


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Die Medien, so lautet ein gängiger Vorwurf der Medien, machen ihr Geschäft mit dem Schrecken – je grausiger die Ereignisse, desto schriller die Berichte. Diese Reportage von Nicola Graef und Susanne Brand bewies das Gegenteil. Den Autorinnen gelang es, die Geschichte von Manuel, dem Theologiestudenten, der – erst 29 Jahre alt – Auspuffgase ins ein Auto leitete, in ihrer ganzen unfaßbaren Traurigkeit ohne jede Hektik zu erzählen. Manuel litt offenbar unter einer Depression, aber den Eltern des Suizidopfers hilft dieser medizinische Fachterminus wenig. Der Vater, ein katholischer Religionslehrer, die Mutter und Manuels studentische Freunde stehen noch immer vor einem Rätsel: Wie konnte der allseits beliebte Junge seine seelischen Qualen so lange verbergen und sie erst offenbaren, als es zu spät war – in einem sechsseitigen Abschiedsbrief? Wohin mit der Wut auf einen Toten, ein Freund von Manuel von „ultimativer Aggression“? Und wie wird es mit der Mutter weitergehen, die auch drei Jahre nach der Tat darauf hofft, irgendwann mit der Trauer fertig zu werden? Dieser kleine große film schilderte das Leben Hinterbliebener und all seine Schrecken ohne jede Aufdringlichkeit.



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