Rückkehr ins Kinderzimmer

KNA - Katholische Nachrichten-Agentur

22.04.2010


zurück zur Auswahl

Dokumentation über Menschen, die wieder bei den Eltern wohnen

Köln (KNA) Großfamilien, bei denen alle unter einem Dach vereint leben, gibt es nur noch selten. Zu mobil, zu individuell sind wir geworden. Großeltern, Eltern, Kinder - jede Generation hat ihr eigenes Zuhause. Was aber ist, wenn plötzliche Notlagen und Krisen
ein Zusammenrücken notwendig machen und die Kinder wieder zurück nach Hause kommen? Die Dokumentarfilmerin Nicola Graef hat recherchiert und Menschen gesucht, die genau das auf sich genommen haben. Ihr Film «Zurück zu den Eltern» ist am 6. Mai um 22.30 Uhr in der Reihe «Menschen hautnah» im WDR-Fernsehen zu sehen.

Er erzählt die Geschichte von zwei Familien, die sich auf darauf eingelassen haben, nach Jahrzehnten der Trennung wieder zusammen zu wohnen. Als der Anruf kam, dass ihre Mutter krank sei und dringend Hilfe brauche, gab es für Birgit (52) kein Zögern. Sie fuhr zu ihrer
Mutter, die mit ihren 72 Jahren noch immer eine Gaststätte führt und war für alles da. Sie sorgte sich um den Haushalt, kaufte ein und stand hinter dem Tresen, damit die Kneipe weiterlief. Auch als es der Mutter besser ging, war klar, dass die alte Dame die ganze
Arbeit nicht mehr allein bewältigen kann. Birgit krempelte ihr ganzes Leben um, zog zur Mutter.

Anfänglich spielte ihr Lebensgefährte Kurt noch mit, doch auf Dauer, störte ihn dieses Leben auf engstem Raum. Außerdem war er nicht begeistert davon, dass er seine Freizeit meist allein mit den Hunden verbringen durfte, weil Birgit in der Kneipe stand. Gleichzeitig war
Birgit frustriert, weil ihre Mutter spröde blieb wie immer und nur wenig Dankbarkeit und Freude zeigte. Über ein Jahr durfte Nicola Graef Birgit und ihre Familie begleiten und spannende Entwicklungen beobachten.

Volker (52) hatte jahrzehntelang mit seiner eigenen Familie weit weg von den Eltern gelebt. Dann zerbrach seine Ehe. Der Stadtplaner stürzte in eine Krise, verlor seinen Job. Er entschloss sich, im Haus der Eltern in Bad Godesberg Zuflucht zu suchen. Dort fand er
alles so vor wie früher. In seinem Kinderzimmer standen noch die alten Möbel und Bücher.

Jetzt kocht er zusammen mit seiner Mutter, muss sich hin und wieder Anweisungen gefallen lassen, als sei er noch das Kind von einst. Seine Mutter fragt schon ab und an, ob er denn schon sein Bett gemacht habe. Die Eltern und der Sohn müssen lernen, Kompromisse zu
schließen und zurückzustecken, damit sie mit ihren zum Teil sehr unterschiedlichen Lebensauffassungen nicht aufeinanderprallen. Wenn Kinder wieder bei ihren Eltern einziehen, gibt es dafür immer zwei Gründe: Entweder sind die Eltern krank oder gebrechlich, oder die Kinder brauchen Hilfe, erklärt Nicola Graef. Insofern sind ihre beiden Protagonisten Birgit und Volker typisch.

Wie alt die Beteiligten auch sind, die Rollenverteilungen zwischen Eltern und Kinder folgen immer dem alten Muster. Dies zeigt sich deutlich in Nicola Graefs Film. «Wie immer wir auch leben, es scheint, als seien die Familienmuster sehr festgefahren und sehr archaisch», sagt die Journalistin. Tatsächlich dürften viele erwachsene Zuschauer feststellen, dass sich auch an ihrer Beziehung zu den Eltern im Laufe der Jahre nur wenig geändert hat. Birgit
sehnt sich noch immer nach der Liebe und Anerkennung ihrer Mutter, obgleich sie versteht, warum die so ist, wie sie ist. Und Volker spürt, dass er für seine Mutter manchmal immer noch der kleine Junge ist, den sie umsorgen muss. Dass er selbst längst Vater zweier erwachsener Söhne ist, spielt dann keine Rolle.

Von Monika Herrmann-Schiel



zurück zur Auswahl