Aus Meppen stammende Filmautorin begleitete Senioren beim Umzug ins betreute Wohnen

Osnabrücker Zeitung

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02.02.2013


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Osnabrück. „Der letzte Umzug“ sollte ihre Doku eigentlich heißen. Doch Heike Dickebohm, in Meppen geborene Dokumentarfilmerin, stellte bald fest, dass dieser Titel einfach „zu krass“ sein würde. „Das kommt mit! Wenn Senioren umziehen müssen“ schneidet dennoch ein für die Betroffenen heikles Thema an.

Das Schwierigste sei es gewesen, Menschen zu finden, die bereit sind, sich bei ihrem voraussichtlich letzten Umzug begleiten zu lassen, erzählt Heike Dickebohm im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwar gibt es viele Umzugsunternehmen, die sich auf Senioren spezialisiert haben. Doch im Sendegebiet des MDR, für den sie den Beitrag produziert hat, sind diese Firmen ungleich dünner gesät – „weil das familiäre Gefüge dort noch viel besser zu funktionieren scheint als im Westen“, vermutet Dickebohm. „Man findet die Umzugsfirmen, die es im Westen gibt, im Osten gar nicht.“

Trotzdem gelang es ihr, ein Paar und eine alleinstehende Dame zu finden, die sich begleiten ließen. „Eine Gratwanderung“ sei das immer, so Dickebohm. „Natürlich will ich einen schönen Film machen. Aber in erster Linie sollen sich die Leute damit auch wohlfühlen.“ Viele Gespräche im Vorfeld und „psychologisches Geschick“ waren nötig um eine ausreichende Vertrauensbasis für die Protagonisten zu schaffen. Trotzdem bot Dickebohm auch während der Dreharbeiten immer wieder an, Pausen einzulegen, wenn es zu intim wurde. „Das ist den Menschen schon sehr nahegegangen“, so die Filmemacherin. „Das Ehepaar Vogel hat 50 Jahre in dem Ort gelebt. Die mussten sich von vielen Dingen trennen, nicht nur von der heiß geliebten Schrankwand, sondern auch von den Nachbarn, von der Gegend. Die waren sich im Klaren darüber, dass sie ihre Heimat nie wiedersehen werden.“

Viele Senioren befassen sich erst spät mit diesem Thema. Die steigende Lebenserwartung bei gleichzeitiger Auflösung großfamiliärer Strukturen macht einen Umzug im Alter jedoch für viele Menschen zu einem unvermeidlichen Schritt. Immer mehr Senioren setzen sich darum schon frühzeitig mit betreutem Wohnen auseinander.

Auch die zweite Protagonistin in Heike Dickebohms Film, Liane Spillner, versucht diesen Einschnitt positiv zu sehen. Sie ist mit 79 verhältnismäßig jung und traf die Entscheidung imGegensatz zum Ehepaar Vogel, 90 und 86 Jahre alt, selbst und bewusst. Nicht die zunehmend schweren Arbeiten am Haus warenfür sie der Grund, sondern die Einsamkeit, die ihr in dem entlegenen Dorf zusetzte.

Für den neuen Lebensabschnitt gab sie sogar ihren Dackel Wastel ab – jedoch nicht ohne dessen Lieblingssessel. „Beeindruckt“ war Heike Dickebohm, „wie nah uns die älteren Herrschaften an sich herangelassen haben. Und wie gut denen das auch getan hat. Alle haben sich hinterher bedankt.“

Die 32-Jährige wuchs in Meppen auf und arbeitete nach dem Studium in Hamburg und einem Volontariat beim Fernsehen als Redakteurin in verschiedenen Redaktionen, so etwa für „Menschen bei Maischberger“ oder „Markus Lanz“. Seit zwei Jahren ist sie für die „Lonaomedia Filmproduktion“ in Berlin tätig, die sich auf Dokumentationen und Reportagen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen spezialisiert hat.

Immer wieder in neue Lebenswelten einzutauchen ist für sie das Spannende an diesem Job. Der Abschied von ihren Protagonistinnen falle ihr zwar immer ein bisschen schwer, gesteht Dickebohm. Doch sie bleibt mit ihnen weiterhin in Kontakt, betreibt „Nachsorge“, wie sie es scherzhaft nennt. Liane Spillner sei regelrecht „aufgeblüht“, und Frau Vogel habe sie zu ihrem 91. Geburtstag eingeladen. Sie hat versprochen zu kommen.

„Das kommt mit! WennSenioren umziehen müssen“ läuft in der Reihe „Gott und die Welt“ am Sonntag, dem 3. Februar, um 17.30 Uhr im Ersten.



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