Colorado – Das Rodeo der schwarzen Cowgirls

Der wilde Westen ist weiß.

Der wilde Westen ist weiß. Die Welt der Cowboys, der Ranches, des Lagerfeuers, das Rodeo und das Rindertreiben – niemand denkt dabei an afroamerikanische Gesichter unter breitkrempigen Cowboyhüten in den USA. Und doch existiert nahe der Stadt Denver in Colorado eine prosperierende Gemeinde schwarzer Männer und Frauen, die diese Lebenswelt mit Pferden und Kälbern, Lassos und Cowboystiefeln, dicken Gürtelschnallen und harter Reiterarbeit weiterführt und ein neues Licht wirft auf eine zu Irrtum verbundene nordamerikanische Tradition mit rein weißer Geschichte. Das erste Rodeo in den USA soll im Jahre 1864 von weißen Cowboys benachbarter Farmen in Colorado abgehalten worden sein, doch ähnliche Veranstaltungen gab es in Südamerika bereits lange davor. Schon 1800 wurde von Rodeos berichtet, welche von den Viehhirten auf den Weiden Brasiliens abgehalten wurden. Alexander von Humboldt beschrieb in seinen Reiseberichten die damaligen Rodeos der „bewaffneten Indianer“. Auch wenn diese nicht mit den professionell organisierten Wettkämpfen in Nordamerika zu vergleichen waren, kann man sie heute dennoch als Ursprung des heutigen Rodeos ansehen.

Wir alle kennen dennoch heute nur das Standardimage des amerikanischen Cowboys. Von John Wayne in Klassikern wie „True Grit/Der Marshal“ bis zu den gutaussehenden

Marlboro-Männern in den kultigen Zigarettenwerbungen. Denn die Geschichtsbücher und "Hollywood" -Darstellungen von Ranchern und Farmern haben schon lange viele prominente Reiter übersehen - Afroamerikaner. Der Schätzung nach war unmittelbar nach dem amerikanischen Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts jeder vierte Cowboy schwarz. Als Amerika die Westgrenze besiedelte, gingen Tausende schwarzer Cowboys voran. Historische Berichte ignorierten diesen Fakt. Seitdem hat sich das Rad noch weiter gedreht. Mittlerweile gibt es seit 1984 das einzige rein schwarze Rodeo in den USA, das Bill Bickett Rodeo. Und auch schwarze Frauen haben diese eigentlich männlich dominierte Welt erobert. In unserer „ARTE Wunderwelt“ möchten wir deshalb die Welt der „black cowgirls“, der schwarzen Cowgirls in den USA erkunden. Wir begleiten Newcomerinnen und Profireiterinnen in ihrer Vorbereitung für das große Bill Picket Rodeo im Januar 2020 in Denver. Wir begleiten ebenfalls die afroamerikanischen Organisatorinnen des Bill Picket Rodeos aus Denver, die von hier aus den Rodeo-Wettbewerb für die schwarzen Cowgirls-und boys planen und immer mehr schwarze Frauen dafür begeistern wollen.

Buch/Regie:
Susanne Brand

Produziert:
2020, ZDF/arte
45 min.


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