Es gab zwei Kirsten Heisigs
28.02.2011
SPIEGEL ONLINE
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(...) Die Dokumentation von Güner Balci und Nicola Graef (Sendetermin: 9. März, 22.45 Uhr, ARD) rekonstruiert den "Tod einer Richterin", so der Titel, kann aber das Rätsel von Heisigs Lebensverzweiflung nicht lösen. Richterkollegen schildern die bei Jugendlichen ebenso gefürchtete wie bewunderte Frau als durchaus lebenslustig, als Liebhaberin Berliner Eckkneipen, in denen sie grünen Tee zu sich nahm, und als unentwegte Fußballanhängerin, die noch kurz vor ihrem Tod die Fanmeile der Fußball-WM besuchte. Heisigs andere Seite, eine von elterlicher Ehekrise überschattete Jugend, die Trennung vom Partner, ein möglicher Selbstmordversuch im Jahr 2008, die totale Selbstausbeutung rücken im Verlauf des Films erst allmählich ins Bild. Der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, Heisigs Mitkämpfer für Ausländerintegration bei konsequenter Regeleinhaltung, spricht davon, dass es "zwei Kirsten Heisigs" gab, deren dunklen Persönlichkeitsanteil man nicht erkannt habe. Das Verdienst des Films ist es, auf Besserwisserei im Nachhinein zu verzichten.
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