Ein Jahr nach seinem Tod kommt ein Film in die Kinos

20.05.2008




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Porträt eines Kämpfers Von G. ALTENHOFEN

Düsseldorf – Der Todestag von Jörg Immendorff († 61) jährt sich am 28. Mai zum ersten Mal: Jetzt kommt ein beeindruckender Doku-Film über das Maler-Genie in die Kinos.

Neun Jahre litt der Künstler an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (amyotrophe Lateralsklerose). Am Ende war sein ganzer Körper gelähmt.

Die Dokumentarfilmerin Nicola Graef (37, „Lona Media“) durfte den todkranken Maler in seinen letzten beiden Lebensjahren mit der Kamera begleiten.

Titel: „ICH. IMMENDORFF“. Das emotionale Porträt eines Kämpfers. Für 98 Minuten Film wertete Nicola Graef 100 Stunden Material aus.

Die Filmerin: „Am Anfang haben wir ihn noch in die Akademie zu seiner Kunstklasse begleitet. Er war ein leidenschaftlicher Lehrer, liebte seine Studenten. Als er schon zu schwach war, das Atelier zu verlassen, holte er seine Schüler zu sich. Sogar noch ein halbes Jahr, bevor er starb.“

Wegen einer Atemlähmung war Immendorff ins Koma gefallen.

Die Filmemacherin: „Kurz nach dem Luftröhrenschnitt, durch den er künstlich beatmet wurde, kämpfte er ungebrochen weiter. Er glaubte mit einer archaischen Urkraft an sich, an seine Zukunft. Er hat nie geweint. Im Gegenteil, er strahlte im Umgang mit seiner Familie Kraft, Optimismus aus. Wenn sein Töchterchen bei ihm war, wurde er sanft, weich, verliebt.“

Am Ende lebte er ausschließlich im Atelier, schuf mit seinen Assistenten viele neue Werke, u. a. das geniale Porträt von Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Nicola Graef: „Egal, wie es Immendorff ging. Klar war immer: Im Atelier ist er der Chef. Hier geht’s nur um seine Kunst.“

Im Film spricht er auch über Einsamkeit und dunkle Momente: „Dass er die Schuhe nicht mehr zubinden, keine Blumen mehr gießen kann.“

Das Porträt läuft Donnerstag in den deutschen Kinos an.

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